Vorgedanken:
Was mag es wohl bedeutet haben – und – welche Kraft muss zu damaliger Zeit 6.000 Menschen (und insgesamt noch viel mehr) dazu getrieben haben, einen "Haufen" – den "Leipheimer Haufen" – gegen eine übermächtige Obrigkeit zu installieren.
Die Beweggründe können letztlich nur im Wunsch nach Freiheit, Unabhängigkeit und Gerechtigkeit gelegen haben. – Ein Ur-Wunsch aller Menschen dieses Erdenreichs, mag man auch in heutiger Zeit blicken, wohin man will.
Und dann macht er sich auf, dieser "Haufen", aus unser aller Nachbarschaft, und bietet Stirn den Mächtigen der damaligen Zeit und, weil zu schwach an der Zahl und zu schlecht ausgerüstet mit Kampfwaffen, wird dieser Versuch für das, was heute ganz selbstverständlich in unserem Grundgesetz steht, zum Fanal, es wird aus der großen Idee ein großes Sterben.
Aber auch dies mag ein Hauptgedanke für dieses Denkmal sein. Es wird auch klar, dass der gescheiterte Versuch damals Freiheit zu erlangen, Ursprung eines Aufbruchs war, eines Aufbruchs, in eine neue Zeit, justament die Zeit, in der wir heute frei leben dürfen.
Bildnerische Aussagen:
Die Eiche: Symbol der Macht
Ihr Stamm ist aufgespalten. Die Einheit der Macht aufgebrochen. Der Aufbruch, von 4.000 bis 6.000 mit dem Leben bezahlt, hat begonnen – unaufhaltsam.
Der Pflug:
Der Pflug ist je nach Betrachtungsweise
a) eingezwängt, eingepresst – so wie der Bauernstand damals von den Lehensherren gepresst war.
b) Ansonsten nur die Erdkrusten aufbrechend, bricht die Pflugschar wie ein Keil das bestehende Machtgefüge auf. Der Pflug wird zum Symbol der Gegengewalt gegen die herrschende Ungerechtigkeit.
Die Speere:
"Stählerne" Waffen besaß nur das Berufsheer. Gegen diese Ausrüstung hatten die Aufständischen eigentlich von vornherein keine Chance. Hier stehen die 3 Lanzen aus Edelstahl für das Heer, das die Macht der aufgebrochenen Eiche brutal, aber letztlich vergeblich zu stützen versucht.
Die Sensenfahne:
Symbolisches Sammelzeichen der Bauern. Für alle sichtbar auf einem acht Meter hohen Mast.
Die erste große Massenerhebung der deutschen Geschichte spielte sich vornehmlich im Südwesten unseres Vaterlandes ab. Die im Laufe des Mittelalters immer größer gewordene Abhängigkeit der Bauern von ihren Grundherrn ließ die Unzufriedenheit der Landbevölkerung wachsen, um 1525 in einem regelrechten Aufstand gegen die Obrigkeit zu gipfeln. Dabei waren die Forderungen der Bauern in allen Punkten gemäßigt und basierten auf dem "Göttlichen Recht", zumal hier Ideen der gleichzeitig sich ausbreitenden Reformation hineinwirkten. Im schwäbischen Stammesgebiet rotteten sich die Bauern zu vier Haufen zusammen, dem Allgäuer Bund, dem Seehaufen um Lindau, dem Baltringer Haufen bei Biberach und dem Leipheimer Haufen, der so genannt wurde, weil die Bewohner dieses Ulmer Landstädtchens das größte Kontingent stellten. Die Herrschenden verschleierten ihre anfängliche Ratlosigkeit und militärische Schwäche mit Scheinverhandlungen. Als aber am 1. April 1525 der Leipheimer Haufen zu seinem Plünderungszug in Richtung Weißenhorn und Roggenburg aufbrach, war für den Schwäbischen Bund die Zeit reif zum Eingreifen. So kam es am 4. April 1525 zur Schlacht am Biberhaken, die in einem blutigen Gemetzel endete, dem Tausende von Bauern zum Opfer fielen. Für den Truchseß von Waldburg, dem Anführer der Bundestruppen, hatte diese erste Auseinandersetzung mit einem Bauernhaufen Signalwirkung hinsichtlich Kampfkraft und Taktik der Aufständischen, was ihm seine weitere blutige Arbeit erleichterte. Die Rache der siegreichen Herren war furchtbar und stürzte die Bauern in völlige Rechtlosigkeit und Abhängigkeit. Politisch war ihr Stand für Jahrhunderte ausgeschaltet.
Für die Menschen unserer Tage soll die Erinnerung an dieses zentrale Ereignis Verpflichtung sein, für Gerechtigkeit und Wohlergehen der Menschen einzutreten, wozu auch das am 4. April 1995 errichtete Denkmal helfen kann.