Biber- und Osterbach

 

Ursprüngliches Bibertal

 

Hinter Silheim, bei Kissendorf mündet der Osterbach in die stark mäandrierende Biber, und sie streift den Kreis Neu-Ulm noch einmal kurz im Norden bei Unterfahlheim. In unzähligen Windungen und Schlingen fließt die Biber im Naturschutzgebiet "Biberhacken" nach  Nordosten und beim Leipheimer Kraftwerk in die Donau. Der "Biberhacken" war vor und im zweiten Weltkrieg für die Fischzucht bekannt. Der Landkreis Neu-Ulm hat das Gebiet 1994 erworben und unter Naturschutz gestellt. Heute ist das Areal mit den vielen, nicht mehr für die Fischzucht genutzten Gewässern, ein naturnaher Auenbereich. Darin finden viele vom Aussterben bedrohte Vögel eine Überlebenschance.

Rund ein Drittel des etwa 30 Hektar großen Gebiets zwischen der B10 bei Unterfahlheim und der Bahnlinie Ulm- Augsburg ist Wasserfläche. Dort gibt es ausgedehnte Röhrichtzonen. Die sind der Hauptgrund, weshalb sich im Biberhacken so viele seltene Vogel- und Libellenarten tummeln. Die Vogelwelt im Naturschutzgebiet ist von landesweiter Bedeutung. 101 Arten sind nachgewiesen worden, 36 davon stehen auf der "Roten Liste" der gefährdeten Arten. Auch für Libellen ist der Biberhacken ein Paradies. 34 von den 70 in Deutschland heimischen Arten leben dort, darunter die kleine Königslibelle und der vom Aussterben bedrohte Östliche Blaupfeil, die Frühe Adonislibelle und die Hufeisen-Azurjungfer.

Das Bibertal ist klein und schmal, an den Rändern von sanften, manchmal bewaldeten Hügeln umgeben. Es gilt als sehr ursprüngliches Tal. Oft nur einen Kilometer vom Nachbargewässer entfernt, hat sich die Biber westlich des Osterbachs ihr Bett gegraben. Das Tier mit den starken Zähnen und dem unstillbaren Drang, Dämme zu bauen, hat dem Bach den Namen gegeben. Früher hat das Nagetier dort in großer Zahl gelebt, wurde aber Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Im Winter 2000/01 ist der Biber bei Bühl erstmals wieder gesichtet worden. Heute wird er bauchaufwärts bis in Niederhausen beobachtet.

 

Die Biber sorgt auch für Freizeitvergnügen. Bei Roggenburg, am Fuße des Hügels, auf dem die Roggenburger Klosterkirche steht, füllt sie mit ihrem Wasser den Roggen-Weiher. Darauf können sich die Besucher im Sommer in Booten vergnügen und sich, wieder an Land, in der Gaststätte am See stärken. Der große Weiher liegt inmitten zweier geschützter Landschaftsbestandteile: Im Norden ist das Gebiet "Bei der Klostermühe Roggenburg", im Süden der "Erlenbuchwald mit Stiftsweiher".

 

Folgt man der Biber bachaufwärts, kommt man ihrem Ursprung immer näher. Südlich von Meßhofen liegen die Orte Nordholz und Ritzisried. Hinter Ritzisried geht es noch weiter, dort liegt der Weiler Matzenhofen und der Ursprung der Biber. Von dort aus plätschert sie ganz unscheinbar in einem kleinen Rinnsal nach Norden.

 

Renaturierter Osterbach

 

Hinter der kleinen, zu Buch gehörenden Gemeinde Christertshofen, liegt der Weiler Friesenhofen. Dort am Eichberg im Oberroggenburger Wald tun sich der Vordere und der Hintere Hüttenbach zusammen und bilden mit ihren Wassern den Osterbach.

Das Tal, in dem der Bach mit dem eigentümlichen Namen fließt, ist klein, schmal und hügelig.

Im Gebiet zwischen Biberberg und Balmertshofen - Dörfer, die noch im Kreis Neu-Ulm liegen - und im weiteren Verlauf bei Ettlishofen und Großkissendorf im Kreis Günzburg wurden in den Jahren 1991 bis 1994 Flächen, vor allem Randstreifen entlang des Osterbachs aufgekauft. Diese waren landwirtschaftlich intensiv genutzt worden, und dies seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Bereits 1920 war der Osterbach im jetzt renaturierten Bereich ausgebaut und begradigt worden. Diese Grundstücke wurden nun nach ökologischen Gesichtspunkten umgestaltet und so der Natur zurückgegeben.